Trekking auf der Via Claudia Augusta

Die Via Claudia Augusta wurde 46 n. Chr. von Kaiser Claudius zur ersten richtigen Straße über die Alpen ausgebaut und war eine der wichtigsten Römerstraßen. Ihre Strecke beträgt rund 600 km und führt von Donauwörth in Bayern über die Alpen nach Altino bei Venedig bzw nach Ostiglia am Po. 
 
 
Genau dieser Straße wollten wir folgen und zwar von Landeck beginnend für die nächsten 52 Kilometer bis nach Nauders. 
 
 
Wir starteten um 16 Uhr in Landeck und nach ein paar Minuten standen wir auch schon im Wald, wo wir uns unser letztes fehlendes Ausrüstungsstück besorgten - den Wanderstab. 
 
 
Damit marschierten wir dann auch ganz flux immer den Wegmarkierungen entlang nach oben. 
 
 
Nach knapp 45 Minuten erreichten wir die "Fließer Platte", eine alte Geleisestraße über die wohl schon einige Römer ihre Karren geschoben haben. 
 
 
Weiter gings abwechselnd über Forstwege und kleinere Pfade mit toller Aussicht zu den gegenüberliegenden Bergdörfern.
 
 
Kurz vor Fließ kamen wir an einem römischen Meilensteine vorbei (eine Kopie des Meilensteines von Rabland) der zusammen mit einem weiteren Meilenstein in Cesiomaggiore die Echtheit der römischen Straße belegt. 
 
 
 
 
Nachdem wir Fließ durchquert hatten, folgten wir stehts dem Inn. Mal wanderten wir über ihm, mal direkt daneben und darüber hinweg.
 
 
Die Pontlatzerbrücke (pons latus = lange Brücke) stellt ein weiteres Relikt der Römerzeit dar, allerdings wurde diese damals komplett aus Holz errichtet.
 
 
Römerspuren waren hier leider keine mehr zu finden, dafür gabs einen Geocache direkt unter der Brücke.
 
 
Dann marschierten wir auch schon mit heißen Sohlen die letzten 4 km in Richtung Camp, wo wir das Zelt gerade noch aufbauen konnten, bevor die Sonne ganz verschwunden war. 
 
 
Der Abend war dann relativ kurz und bestand nur mehr aus Essen und Schlafen, aber schließlich mussten wir ja am nächsten morgen wieder fit sein. 
 
 
Mit Sonnenschein geweckt fing der Tag gleich richtig gut an und nach einem kräftigen Frühstück waren wir auch schon wieder auf den Beinen. 
 
 
 
Auch heute gings zunächst einige Kilometer neben dem Inn entlang...
 
 
....bevor wir auf einem kleinen Waldsteig stießen der sich zuerst immer weiter nach oben schraubte...
 
 
...um dann in einem Satz wieder nach unten zu führen. 
 
 
 
Das nächste Zeichen der Römer erwartete uns in Tösens in Form der Römerbrücke. Sie ist ein Teil der berühmten römischen Kirche St. Georgen und liegt genau auf der Via Claudia Augusta. 
 
 
Doch das Highlight des Tages war eindeutig nicht römisch sondern aus echtem Holz geschnitzt. Wie aus dem Nichts kam ein älterer Mann zu uns, der uns mal einfach so zwei Wanderstäbe (die er eindeutig selbst bearbeitet hatte) schenkte, nachdem er festgestellt hatte, dass unsere zu schwer und unhandlich waren. Einfach unglaublich!!
 
 
Von diesem Ereignis total beschwingt lief es sich dann auch fast von alleine und schneller als gedacht konnten wir Pfunds unter uns erblicken. 
 
 
 
Hier freute ich mich besonders auf das Mini Fundus, zwar wurde auch das nicht von Römern erbaut, aber von vier Pensionisten die im Jahr 1999 damit anfingen die kleinen Häuser aufzustellen. Inzwischen ist ein ganzen Mini Dorf entstanden.
 
 
Nach knapp 25,7 km breitete sich dann vor uns der Claudiasee aus und damit unser Nachtquartier für diesen Tag. 
 
 
Diesmal hatten wir keinen Stress beim Zeltaufbau und auch das Abendessen lies sich im Sonnenlicht zubereiten. Als es dann doch dunkel wurde blinkten uns millionen Sterne an und sogar die Milchstraße konnten wir sehen - wunderschön. 
 
 
 
Am Sonntag starteten wir bei ordentlich Wind in den Tag und es sollte auch einer der spannendsten Abschnitte werden. 
 
Zuerst erreichten wir Altfinstermünz. Schon im 9. Jh. erbaut diente diese Stätte zeitweise als Gericht, Zollamt und Mautstelle, sie war ab 1652 die Grenze zwischen Tirol und Graubünden und bis 1854 verlief der gesamte Waren- und Personenverkehr durch die Brücke der Festung. 
 
 
Von dort aus ging es einen Waldsteig entlang der hier endete -auf einer Straße die eindeutig eine Stimmung von Apokalypse versprühte. 
 
 
Ein paar Meter später zischten die Autos der Reschenstraße mal ordentlich an uns vorbei, zum Glück war die Leitplanke dazwischen.
 
 
 
Doch auch der Weg, der nicht direkt an der Bundesstraße lag war nicht sehr vertrauenerweckend. Nur gut das die Gitter wohl einiges aushalten. 
 
 
Zum Schluss kamen wir dann direkt vor der Festung Nauders heraus. Sie ist das einzig vollständig original erhaltene Festungsbauwerk des frühen 19 Jhd. in Österreich und beherbergt nun ein Museum. 
 
 
Doch für uns war es nun genug Geschichte für ein Wochenende und so wanderten wir weiter die letzten 3 Kilometer, zuerst entlang der Bundesstraße und dann wieder über Forstwege...
 
 
.....bis wir schließlich an der Bushaltestelle in Nauders ankamen. Hier endet unser Abenteuer auf der Via Claudia Augusta - zumindest für heute. 
 
 
Wer jetzt so richtig Lust auf Trekking bekommen hat, kann die Strecke gerne nochmal mit uns laufen direkt vom Sessel aus - los geht's!
13
Sep15